Montag, 8:13, ich starre auf die Kaffeemaschine in der Gemeinschaftsküche des Büros, in dem ich arbeite. Ich bin unzufrieden. Wieder beginnt eine neue Woche, Tag für Tag warte ich, dass das Wochenende endlich da ist. Nur um dann Sonntagmorgen bereits ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich montags damit weitermachen muss, womit ich letzten Freitag eigentlich schon hätte fertig sein sollen.
Und so geht es, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. “Bis zur Pension?”, frage ich mich entgeistert. Nachdem ich viel zu lange auf das Display der Kaffeemaschine gestarrt hatte, starre ich nun auf den Bildschirm des Computers auf meinem Büroschreibtisch.
Ich google „Berufung finden“ und ärgere mich leise über Karrieretests, die mir empfehlen, „etwas mit Menschen zu machen“. Danke, Internet. Plötzlich werden meine leicht depressiven Gedanken über Eintönigkeit, Frustration und eine mögliche Kündigung von einer schüchternen Frage unterbrochen: „Du, wie hast du das mit dem Kunden XY damals gelöst?“
Es ist der Azubi. Er wirkt gehemmt, fast als wäre es ihm peinlich zu fragen. Ich antworte eher mechanisch und ohne groß darüber nachzudenken. Doch während ich ihm die Basics erklärte, stellte ich fest: Es gab ja doch Dinge in meinem Job, die mir Spaß machten. Dinge, für die ich scheinbar ein Händchen hatte.
Und schwierige Kunden zu besänftigen, war es wohl, was mich an diesem Job immer und immer wieder aufs Neue begeisterte. Ich erinnerte mich an den Moment damals. Wie ich plötzlich diesen Einfall hatte. Wie wir es ausprobierten und es zu unserer Überraschung funktionierte. Wie der Kunde erleichtert war, wie er lachte, wie sich etwas löste.
Es war ein kleines Erfolgserlebnis, längst vergessen. Aber während ich davon sprach, kam die Freude wieder hoch. Nicht über den Job als Ganzes, sondern über den Moment, in dem ich etwas bewegen konnte.
Plötzlich fühlte ich mich groß. Ich begann, bewusst auf meine Erfolge der letzten Tage zu achten. Auf das Gespräch mit dem Azubi, bei dem ich mich plötzlich wie ein Mentor fühlte. Auf die Kollegin, die sich für meinen Rat bedankte. Auf das Projekt, das ich als lästige Pflicht sah, bis ich merkte, dass es genau meine Stärken brauchte.
Klar, es ist nicht jeden Tag so. Manche Aufgaben sind stumpf, manche Strukturen bleiben frustrierend. Aber ich begriff trotzdem eine wichtige Tatsache. Es war nicht unbedingt der Job, der mich müde machte. Es war mein Blick darauf. Mein Fokus auf das, was fehlte – statt auf das, was funktionierte.
Kann es sein, dass ich einfach nur die Perspektive wechseln muss, nicht gleich den Job? Anstatt darüber nachzudenken, wie ich diesen Arbeitstag so schnell wie möglich und nebenbei möglichst ruhig und ohne Störfaktor hinüberbringe, frage ich mich: Wo liegt heute mein Einfluss? Wen kann ich unterstützen? Was kann ich ausprobieren, auch wenn’s nur ein kleiner Dreh ist? Und manchmal reicht das schon. Nicht immer. Aber oft genug.
Wie ein Blitz die Gewitterfront durchbricht, unterbricht das Rauschen der Kaffeemaschine ganz plötzlich meine ungewöhnlich tiefgründigen und hoffnungsvollen Gedanken.
Ich lehne mich zur Seite und greife zu meinem Kaffee. Meine Tasse ist schon wieder leer. Eigentlich ein guter Zeitpunkt, um noch einen schnellen Espresso zu trinken, bevor die Arbeit so richtig startet. Also mache ich mich auf den Weg, um zur Abwechslung mal wieder ein wenig auf das Display der Maschine zu starren.
